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Re: digitale Kommunikationsmöglichkeit

Verfasst: Mo 12. Jan 2026, 12:11
von Stoner420
Spannendes Thema!

Ich war letztes Jahr ebenfalls mit Meshtastic auf der Fusion unterwegs – eine wirklich großartige Erfahrung, nicht zuletzt wegen der vielen neuen Kontakte mit Menschen, die ähnlich technikaffin sind. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch der Vortrag von Davide Gomba.

Hardware-seitig hatte ich ein ESP32-basiertes Board dabei. Das funktionierte grundsätzlich gut, erwies sich jedoch als recht stromhungrig. Rückblickend würde ich klar zu nRF52-basierten Boards raten, da diese sich in der Praxis als deutlich energieeffizienter und insgesamt besser geeignet erwiesen haben.

Auf der Fusion waren schätzungsweise rund 160 Nodes aktiv. Zusätzlich wurde ein Node mit aktivierter Router-Funktion in einem Hangar installiert, um den Höhenvorteil für eine bessere Funkabdeckung zu nutzen. Zu diesem Zeitpunkt erschien das sinnvoll, da Meshtastic sehr flexibel konfigurierbar ist und Handhelds – je nach Einstellung – als Client oder Router fungieren können. Insgesamt entstand dadurch ein sehr dynamisches Netz, dessen Kommunikation jedoch bereits spürbar an Stabilität verlor.

Ein wesentlicher Faktor dafür ist die hohe Individualisierbarkeit von Meshtastic. Standortdaten, Sensoren, Node-Info-Intervalle und zahlreiche weitere Parameter lassen sich pro Gerät individuell konfigurieren. In Netzen mit steigender Node-Zahl können einzelne Fehlkonfigurationen oder besonders „auffällige“ Geräte das gesamte Mesh deutlich beeinflussen. Bereits bei der genannten Anzahl an Nodes war die Channel Utility stark ausgelastet.

Diese Beobachtungen bestätigten sich später im Dauerbetrieb. In Bremen hat sich mit dem BreMesh eine lokale, lose organisierte Mesh-Community etabliert, die zunächst ebenfalls auf Meshtastic gesetzt hat. Im laufenden Betrieb zeigte sich jedoch, dass die Router-Funktion von Meshtastic für den praktischen Einsatz nur eingeschränkt geeignet ist und sich in bestimmten Situationen nicht zuverlässig oder vorhersehbar verhält. Dies führte zu einer insgesamt erhöhten Unzuverlässigkeit des Netzes.

Darüber hinaus wurde deutlich, dass einzelne belastende Knoten das gesamte Mesh erheblich beeinträchtigen konnten. Besonders problematisch waren stationäre Nodes, die weiterhin in kurzen Intervallen Positionsdaten oder umfangreiche Telemetrie sendeten. Diese belegten unverhältnismäßig viel Airtime und wirkten sich spürbar negativ auf die Netzqualität aus. Mit zunehmender Node-Zahl verstärkten sich diese Effekte weiter, während gezielte Gegenmaßnahmen im laufenden Betrieb kaum möglich waren.

Auf Grundlage dieser Erfahrungen ist das BreMesh schließlich auf MeshCore migriert.

Ein zentraler Unterschied zwischen MeshCore und Meshtastic besteht darin, dass Clients bei MeshCore keine Pakete weiterleiten. Dadurch bleibt das Netz deutlich kontrollierbarer, und das Hop-Limit kann auf bis zu 64 gesetzt werden, ohne Broadcast-Stürme oder ähnliche Effekte zu erzeugen. Große Netze lassen sich auf diese Weise wesentlich besser skalieren. Für die Fusion halte ich es daher für sinnvoll, über eine MeshCore-basierte Infrastruktur nachzudenken – zumal sich die Hardware größtenteils identisch zu Meshtastic weiterverwenden lässt.

Meshtastic eignet sich hervorragend für mobile, autarke Meshes mit überschaubarer Node-Zahl, etwa beim Wandern, auf Touren oder in Outdoor- und Survival-Szenarien. Auch für kleinere, lose gekoppelte Setups funktioniert es sehr gut. Für hochdichte, langfristig betriebene Netzwerke – beispielsweise stationäre Meshes in Großstädten – sowie für temporäre Großevents mit hunderten Nodes skaliert jedoch eine stärker kontrollierte Architektur wie MeshCore deutlich besser.

Falls Interesse besteht, tausche ich mich dazu gern weiter aus.

Ich hoffe, ich habe bei der zweiten Auslosung im Februar noch einmal Glück – dann sieht man sich im Mesh :)

Re: digitale Kommunikationsmöglichkeit

Verfasst: Sa 17. Jan 2026, 17:32
von MasterLee0423
Ich hoffe auch noch auf die Auslosung. Sonst geht die Jagd im Forum los xD. Bis jetzt hats immer irgendwie geklappt.

Mitudem Hintergrund das dieses Jahr wahrscheinlich noch mehr Nodes auf dem Gelände sein werden, tendiere ich auch zu MeshCore.

Re: digitale Kommunikationsmöglichkeit

Verfasst: So 18. Jan 2026, 13:44
von Tranceport
Ich bin ja jedes Jahr auf der Fusion um euch zu fahren etc.. 2025 war das erste Jahr in dem ich die ganze Zeit problemlos telefonieren konnte und immer Netz zur Verfügung war. Die müssen dort erheblich aufgerüstet haben / insofern sind andere Kommunikationslösungem wahrscheinlich zukünftig überflüssig. Mal sehen wie 2026 wird.

Re: digitale Kommunikationsmöglichkeit

Verfasst: Di 20. Jan 2026, 03:21
von godsmilk
Bitchat hat im Iran und Uganda demach traurigerweise Popularität erlangt:

https://www.reuters.com/business/media- ... 026-01-14/
https://www.derstandard.at/story/300000 ... -messenger

also wenn es genügend teilnehmer:innen gibt, funktioniert das

Re: digitale Kommunikationsmöglichkeit

Verfasst: Mi 21. Jan 2026, 23:53
von Stoner420
godsmilk hat geschrieben: Di 20. Jan 2026, 03:21
also wenn es genügend teilnehmer:innen gibt, funktioniert das

So pauschal stimmt das leider nicht.

Bitchat basiert auf Bluetooth Low Energy. In der Praxis liegt die effektive Reichweite pro Hop bei Smartphones eher bei 10–30 m, insbesondere in dichten Menschenmengen. Zusätzlich wird das 2,4-GHz-Band stark durch menschliche Körper gedämpft, was auf einem Festivalgelände die Reichweite und Verbindungsstabilität weiter reduziert.

Um größere Distanzen zu überbrücken, bräuchte man daher sehr viele, eng verteilte Knoten. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Teilnehmerzahl die Funklast im Mesh. Auch wenn Bitchat Mechanismen wie Message-IDs und ein Hop-Limit nutzt, skalieren flooding-basierte BLE-Meshes nur begrenzt: mehr Geräte bedeuten mehr Kollisionen, mehr Verzögerungen und im Zweifel verlorene Nachrichten.

Nach öffentlich zugänglichen Infos und Community-Berichten liegt das Hop-Limit bei Bitchat bei etwa 7 Weiterleitungen. Selbst unter idealen Bedingungen entspräche das nur einer theoretischen Maximalreichweite von rund 200 m, realistisch eher deutlich weniger.

Zum Vergleich: LoRa im 868-MHz-Band (z. B. Meshtastic, MeshCore) bietet eine wesentlich bessere Durchdringung und Reichweite. Distanzen, die bei BLE nur über mehrere Hops erreichbar wären, lassen sich dort oft bereits mit einem einzigen Hop überbrücken – bei geringerer Datenrate, aber deutlich höherer Robustheit.

Aus eigener Erfahrung: Ich habe FireChat auf der Fusion 2018 genutzt. Das basierte auf einem sehr ähnlichen Prinzip wie Bitchat (Bluetooth/Wi-Fi-Mesh) und war bereits damals nur eingeschränkt zuverlässig. Im direkten Vergleich waren meine späteren Erfahrungen mit LoRa-basierten Meshes wie Meshtastic deutlich stabiler und vorhersehbarer.

Auf einem großen Gelände wie der Fusion sehe ich Bitchat eher für lokale Kommunikation auf Camp- oder Dancefloor-Ebene. Für eine zuverlässige, geländeweite Kommunikation ist ein LoRa-basiertes Mesh technisch deutlich besser geeignet.