pappenheimer hat geschrieben: Mo 15. Jun 2026, 14:25 ich bin da pro Freiheit.
Wirklich immer wieder faszinierend, dass beim Thema Rauchen so häufig von „Freiheit' die Rede ist, wo doch schon die meisten Raucher gerade wegen ihrer Nikotinabhängigkeit selbst nicht besonders frei sind.
Vielleicht erklärt genau das auch, warum Menschen, die sonst großen Wert auf Respekt und Rücksichtnahme legen, ausgerechnet beim Nichtraucherschutz plötzlich die Freiheitsfahne schwenken. Gemeint ist dabei allerdings meist eine sehr einseitige Freiheit. Nämlich die Freiheit der Raucher. Dass auch Nichtrauchende Freiheitsrechte haben, mag manchen offenbar nicht in den (nikotinvernebelten?) Sinn kommen.
Ganz nach dem Motto: Die Luft auf dem Dancefloor gehört mir, also kann ich damit machen, was ich will. Dass andere darunter leiden, das Erlebnis weniger genießen oder im schlimmsten Fall gesundheitliche Risiken eingehen, egal. Hauptsache Ich (ego, ego, ego) kann an Ort und Stelle meine Kippe rauchen und im besten Fall dabei noch jemand verbrennen (ist mir schon mehrere Male im Club passiert).
Mit Freiheit hat es aus meiner Sicht jedenfalls wenig zu tun, andere Menschen vermeidbar krebserregendem Rauch auszusetzen. Zumal die Alternative oft keine unzumutbare Härte wäre (ein 15 meter zur Seite zu gehen ist schließlich keine Weltreise, aber was weiß ich schon)..
Die Freiheit des einen endet dort, wo die des anderen beginnt. Eigentlich eine ziemliche Binse, für manche aber offenbar Neuland.
Als Lektüre kann ich den Beitrag der drogenpolitischen Initiative MyBrainMyChoice mit dem Titel „Die Zigarette im Club: Ein falsches Verständnis von Freiheit“ empfehlen. Dort geht es zwar um Innenräume, aber die Argumentationsmuster ähneln sich sehr. Auch bei Innenräumen erlebt man, dass manche Raucher (darunter auch Menschen, die sich sonst als besonders achtsam und aware verstehen) partout nicht wahrhaben wollen, dass ihr Verhalten andere beeinträchtigt und ihnen das Erlebnis vermiest.
Hier vllt nur ein Auszug aus besagten MyBrainMyChoice-Beitrag:
"Passivrauchen ist UNFREIwilliges Mitrauchen. Wer derzeit in Berlin an Clubkultur teilhaben möchte, muss sich oft zwangsläufig Passivrauch aussetzen. Drogengebrauch sollte jedoch immer FREIwillig und ungezwungen sein. Es gibt viele Menschen, die in Clubs durchaus gerne Substanzen konsumieren, aber dennoch ein großes Problem mit Passivrauchen haben. Es gibt auch viele Raucher:innen, die nicht passivrauchen wollen. Nur weil jemand bei einer Substanz ja sagt, sagt diese Person nicht automatisch auch bei allen anderen Substanzen ja. Und nur weil jemand bei einer bestimmten Menge an Substanzkonsum ja sagt, sagt diese Person nicht zwangsläufig auch bei allen darüberhinausgehenden Mengen ja.
Es gibt Menschen, die sich sehr gut überlegen, was genau und wie viel sie konsumieren und welche möglichen Schäden sie ihrem Körper und Geist zumuten wollen und können (Drogenmündigkeit). Wenn sich eine Person gezielt dafür entscheidet, auf Zigaretten als eine der schädlichsten Drogen zu verzichten und stattdessen lieber weniger schädliche Drogen konsumiert, hat sie ganz eindeutig kein Einverständnis zum (passiven) Konsum von Tabak gegeben. Selbst wenn sich eine Person vornimmt, am Abend genau zwei Zigaretten zu rauchen (weil sie z.B. ihren Konsum reduzieren will), heißt das immer noch nicht, dass sie kein Problem damit hätte, hunderte Zigaretten anderer Menschen passiv mitzurauchen. Kurzum: Nichtraucherschutz bedeutet körperliche Selbstbestimmung, WillensFREIHEIT und Einvernehmlichkeit (Consent) beim Drogenkonsum."
https://mybrainmychoice.de/nichtraucherschutz-freiheit/