"Flüchtlingsprojekt" auf der Fusion 2018

Li_Lí
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Re: "Flüchtlingsprojekt" auf der Fusion 2018

Beitrag von Li_Lí » Do 12. Jul 2018, 16:43

Einige der Flaschensammler haben richtig unglücklich ausgesehen. Ich hab mich in dem Moment dafür geschämt nichts für ihn tun zu können außer Mitgefühl-Blickkontakt...
(Geld zustecken? Verpeilt anlabern? Umarmen?? :()

Wenn das eine Aktion war um uns in unserer utopischen Blase an reale Zustände zu erinnern, so ist sie gelungen, würde ich sagen.

BobseB
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Re: "Flüchtlingsprojekt" auf der Fusion 2018

Beitrag von BobseB » So 26. Aug 2018, 16:20

Nach 2 tagen oder so hat sich die Theorie des Flüchtlingsprojektes auch auf unserem Camp breit gemacht. Durch Zufall hatte ich davor zwei flaschensammler auf dem campingplatz gesehen wie man Sie gewohnt ist. Mit der neuen Theorie vom Camp habe ich die restlichen Tage drauf geachtet und tatsächlich nur noch Sammler aus (vermutlich) afrikanischer Herrkunft gesehen. Nebenbei, Ich hatte das Gefühl das nur Flaschen/Becher von den Fusionbars gesammelt wurden, aber auch nur weil von unserem Camp nur diese verschwunden sind. Hätte ja jeder sein können...

Anyway, mein erster Gedanke war eigentlich positiv aus verschiedenen Aspekten (Geld verdienen, akzeptanz, etc.)
Als ich aber mal um 5Uhr morgends durch den Goawald geschlendert bin(Da gings grad völlig ab)ist so ein Sammler vor mir gelaufen. Da hab ich mir überlegt, was der sich wohl gerade denkt. Was auch immer seine Hintergrundgeschichte ist, ich kann mir schlecht vorstellen dass er sowas schonmal gesehen hat. Leute unterwegs das es kracht und scheppert, Gestampft wird zur Mukke bis es brodelt (find ich super!), Goafloor halt!
Dementsprechend kann ich mir gut Vorstellen (wie einer der vorredner schrieb) dass die nicht glücklich aussahen. Zum einen konnten Sie sehen wie man sorgenlos feiern kann (wie gesagt, alles nur ein Gedanke den ich hatte während ich hinter dem gelaufen bin) und zum anderen sind ja auch zwielichte Gestalten unterwegs (bevor der Shitstorm startet: Zwielichte Gestalten meine ich im positiven kontext und zähle mich selbst dazu).

Am letzten Tag hab ich einen Kumpel getroffen und hab dem von der Theorie erzählt und sein erster Gedanke war: Stichwort: Wegwerfgesellschaft. 1€ Pfand an der Bar und alle lassen alles liegen auf den floors, etc.

Recherchieren wollte ich es gerade eben weil wir gestern es davon hatten. Und dann bin ich hier gelandet und so weiter und so fort..
Aber der rassistische kontext der (von vorrednern) aufgezeigt wurde hatte ich überhaupt nicht!!! Mein erster Gedanke war positiv, da ich von Bekannten mitbekommen habe was für bürokratische Hürden, Ablehnung, etc. die Leute durchleben mussten/müssen und die Fusion ein Ort der Freiheit und Verbundenheit (für mich zumindest) ist. Und ich natürlich hoffe das dieses feeling auch überschwappt zu Menschen die eben nicht nur zum feiern da sind.

In diesem Sinne, ich bleib gespannt...

duunddeinholz
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Re: "Flüchtlingsprojekt" auf der Fusion 2018

Beitrag von duunddeinholz » Sa 27. Okt 2018, 02:57

Richtig cool und gaaar nicht rassistisch nicht einfach mit den betroffenen Personen zu sprechen.
Warum jemand Pfandflaschen sammelt ham wa hoffentlich verstanden.

divergenz
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Re: "Flüchtlingsprojekt" auf der Fusion 2018

Beitrag von divergenz » Mo 29. Okt 2018, 12:23

Eben.
Das werden wohl supporter gewesen sein die zum Müllsammeln unterwegs waren.

einerderbescheidweiß
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Re: "Flüchtlingsprojekt" auf der Fusion 2018

Beitrag von einerderbescheidweiß » Di 5. Mär 2019, 06:46

OK, hinter meinem Benutzernamen steckt ein Pseudonym, aber ich bin Pfandsammler, und möchte auch etwas zum Thema sagen, und zwar denke ich dabei im Namen aller selbstorganisierten und eintrittszahlenden Pfandsammler*innen zu sprechen.
Ich möchte aufklären warum es weder für die Pfandsammler*innen noch für die Besucher*innen positiv ist, mit dem "Flüchtlingsprojekt" eine Schwemme pfandsammelnder Menschen zu provozieren.
Ich zahle als Pfandsammler normal den Eintritt, um mit einem Plus wieder heim zu fahren. Pfandsammeln macht Spaß, wenn man viel Pfand findet. Natürlich trifft man auch andere, die auf dem Trip unterwegs sind. Über Jahre hat man sich kennen und schätzen gelernt. Die Fusion war bislang ein Festival auf der man noch unbeschwert Sammeln konnte, erlauben es diverse Veranstalter von Mainstream Festivals einem ja nicht Pfandzusammeln
Natürlich sind wir sehr erfreut, wenn wir plötzlich den Kuchen mit vielen anderen Pfandsammelnden teilen müssen, die zudem, anders als wir, den Eintritt gesponsert bekommen haben.
Nein, sind wir natürlich nicht, stattdessen laufen alle Pfandsammelnden bald mit grimmigen Gesicht umher, weil viele natürliche Pfandquellen nicht mehr genügend Pfand abwerfen. Konsequenz: Es wird Fracking betrieben.
Mußte man/frau früher nur die Pfandboxen abklappern, so muß man/frau jetzt auf die Floors zwischen die tanzende Masse. Wir klappern jetzt also die Müllinseln auf den Floors ab, naja vielleicht sollten das ja keine Müllinseln sein, sondern eher Gepäckinseln, und vielleicht wollen das dort abgelegte Pfand die Konsument*innen noch selbst behalten? Egal, was die gesponserten Kolleg*innen können, können wir auch. Klar verschwindet dann mal die eine oder andere vollgesandete Mate-Flasche, is ja dreckig, drinkt wohl eh keine/r mehr.
Ihr merkt wenn es eine Schwemme an Pfandammelnden gibt, dann sinkt unweigerlich die Moral, dann ist niemand so richtig glücklich, die Pfandsammelnden nicht, und die Besucher*innen auch nicht.

Wer also auch immer die Konkurrenz gesponsert hat, und mit Mitarbeiterbändern ausgestattet hat, wir sind eine offene Community Pfandsammelnder Besucher*innen. Wir schließen keine Neulinge aus. Jede/r der/die möchte soll auf der Fusion Pfand sammeln. Es kann aber keine/r von uns gebrauchen, wenn es unnatürlich mehr von uns gibt. Die natürliche Barriere war bislang den Eintritt zahlen zu müssen, wer diese Barriere zerstört macht es allen schwer.
Es wird auch nichts bringen irgendwelche Regeln zu kommunizieren, sie würden nicht eingehalten werden, bleiben aber bestehen, wenn darauf verzichtet wird, die Anzahl der Pfandsammelnden zu multiplizieren.

Fusion Crew
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Re: "Flüchtlingsprojekt" auf der Fusion 2018

Beitrag von Fusion Crew » Do 7. Mär 2019, 10:34

aus Newsletter 1/2019

Flaschensammler:innen:

Auffällig viele people of colour haben auf dem Festival rund um die Uhr Pfandflaschen gesammelt und dies wurde von manchen als rassistischer Kontext empfunden, nach dem Motto die privilegierten Weißen feiern und die people of colour machen den Dreck weg. Das Ganze sollte -laut Aussage eines Infopoints- ein organisiertes Kulturkosmos-Flüchtlingsprojekt sein. Dazu können wir nur sagen, wir wissen bis heute nicht, wer die Pfandsammler:innen organisiert hat, wir selbst waren es jedenfalls nicht. Nicht auszuschließen, dass sie selbstorganisiert gehandelt haben, aber vermutlich wurden sie von einer unserer mitarbeitenden Gruppen supportet oder organisiert. Grundsätzlich haben wir damit auch kein Problem und können darin kein rassistisches Muster entdecken. Denn, profimäßig auf der Fusion Pfand zu sammeln ist eher ein Privileg mit welchem Menschen mehr Geld verdienen können, als alle anderen die auf dem Festival arbeiten und z.B. richtig Müll sammeln und dafür nur das Ticket bekommen. Das Menschen, die diese Arbeit aus rein monetären Beweggründen machen, bei dieser Arbeit nicht unbedingt glücklich aussehen, ist auch verständlich und hautfarbenunabhängig. Wir hätten es trotzdem schön gefunden, wenn diese Geschichte mit uns abgesprochen worden wäre und wenn allen Pfandsammler:innen die Spielregeln besser erklärt worden wären.

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