No shirt, no service

Schlank
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Repression für Alle!

Beitrag von Schlank » Mi 4. Jul 2018, 22:50

Grundsätzlich ist das Anliegen was hinter dieser Idee steckt natürlich völlig richtig.

Fragwürdig finde ich den Gedanken aber schon, dass die Unterdrückten dadurch aus Ihrer Schmachvollen Situation zu befreien wären indem anderen Privilegien wieder entzogen werden. Was hat der gemeine Arbeiter davon wenn der Polier freiwillig auf einen Teil seines Lohns verzichtet.. aus Solidarität mit den weniger gut bezahlten? Gar nix! Genauso blöd ist daher auch die Forderung danach dass Typen ihr Shirt zum Bierholn anziehen sollen. Warum gibt es keinen Slutwalk oder sowas auf der Fusion? Sowas wäre Proaktiv und nicht die Fortführtung einer eh schon peinlichen Privilegien Debatte, die im Kern nicht LINKS sondern LIBERAL ist und aus Mangel an Ideen Awarness-Konzepte als Maximalforderung proklamiert. Dieser ganze Stuss ließe sich super durch eine handfeste Marxsche Analyse ersetzen, die den Zusammenhang von Kapitalismus und der Unterdrückung der Frau beschreibt. Naja egal, anders Thema.

Allen Interessierten sei dieser Artikel zum Thema ans Herz gelegt:

https://konkret-magazin.de/hefte/heftar ... -alle.html

swatch20
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Re: Repression für Alle!

Beitrag von swatch20 » Mi 4. Jul 2018, 23:13

Schlank hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 22:50
Grundsätzlich ist das Anliegen was hinter dieser Idee steckt natürlich völlig richtig.

Fragwürdig finde ich den Gedanken aber schon, dass die Unterdrückten dadurch aus Ihrer Schmachvollen Situation zu befreien wären indem anderen Privilegien wieder entzogen werden. Was hat der gemeine Arbeiter davon wenn der Polier freiwillig auf einen Teil seines Lohns verzichtet.. aus Solidarität mit den weniger gut bezahlten? Gar nix! Genauso blöd ist daher auch die Forderung danach dass Typen ihr Shirt zum Bierholn anziehen sollen. Warum gibt es keinen Slutwalk oder sowas auf der Fusion? Sowas wäre Proaktiv und nicht die Fortführtung einer eh schon peinlichen Privilegien Debatte, die im Kern nicht LINKS sondern LIBERAL ist und aus Mangel an Ideen Awarness-Konzepte als Maximalforderung proklamiert. Dieser ganze Stuss ließe sich super durch eine handfeste Marxsche Analyse ersetzen, die den Zusammenhang von Kapitalismus und der Unterdrückung der Frau beschreibt. Naja egal, anders Thema.

Allen Interessierten sei dieser Artikel zum Thema ans Herz gelegt:

https://konkret-magazin.de/hefte/heftar ... -alle.html
Sehr guter Artikel, danke!

Took
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Re: No shirt, no service

Beitrag von Took » Mi 4. Jul 2018, 23:51

Aus dem Artikel:

"Wenn nicht Rechte erkämpft werden, sondern Privilegien gestrichen, ist das Eichmaß des gesellschaftlichen Fortschritts nicht gewonnene Freiheit, sondern möglichst gleichmäßig verteilte Repression."

Esplettico
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Re: No shirt, no service

Beitrag von Esplettico » Do 5. Jul 2018, 03:13

Als ich das No-Shirt Schild an der Turmbühne sah, hielt ich es auch erst für einen Scherz. Solche Hinweisschilder kannte ich bisher nur aus Hotelresorts im Pauschalurlaub... Bis zum Ende des Festivals konnte ich mir das keinen Reim drauf machen, wie das ins Konzept der Fusion passt. "Am Showertower und sonstwo dürft ihr gern nackig rumspringen aber an der Bar auf keinen Fall ohne Shirt"?! Dank diesem Thread verstehe ich jetzt zumindest den Gedanken hinter der Maßnahme, aber halte es nicht für den richtigen Weg. Naja, ich denke es wird intern diskutiert werden, ob das zielführend war und vielleicht sieht's im nächsten Jahr schon anders aus. Die Deutschlandfahnenbierdosen waren ja auch mal verboten und werden jetzt toleriert. Ich hab da Vertrauen in den Kulturkosmos, auch kritisches Feedback zu berücksichtigen.
laberrababer hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 21:39
Hallo liebe FusionistInnen,

am Montag stand ich morgens ohne T-Shirt an der Müllabgabe. Das ich mir eins hätte überziehen müssen war mir leider nicht bekannt. Wenn ich freundlich darauf angesprochen werde, dass ich ein T-Shirt anziehen soll oder ich diesbezügliche Schilder entdecke, ziehe ich mir gerne ein T-Shirt an. Wenn Menschen freiwillig auf der Fusion arbeiten habe ich auch nicht wirklich ein Problem damit mich nach ihren Wünschen zu richten.
Übel stößt mir jedoch die Art und Weise auf in der meine Zurechtweisung erfolgte. Ein Mensch machte zunächst ein paar Späßchen mit dem Megaphone während ich in der Schlange stand, dabei hatte wir sogar kurz Blickkontakt. Als ich zwei bis drei Minuten später fast am Ende angekommen war, kam über das Megaphon die Ansage No Shirt - No Service. Ich habe dann einer Freundin meinen Kram gegeben, die den Müll für mich abgegeben hat und bin über die Absperrung geklettert. Ein Bekannter von mir stand ebenfalls ohne T-Shirt neben mir und hat es nicht mitbekommen und schon fing der besagte Mensch an mit dem Megaphone irgendetwas von "und dann checken die Typen das noch nicht mal" zu blubbern zusammen mit der Erklärung wir könnten ja mal herkommen und uns das nochmal genau erläutern lassen. Dazu bin ich prinzipiell auch bereit aber nicht nach einem Versuch andere Menschen vor einer großen Menschenmenge bloszustellen. Fühlt sich für mich so an wie erstmal in die Fresse schlagen und dann können wir uns ja nochmal unterhalten. Der besagte Mensch stand keine zwei Meter von mir als ich mich angestellt habe, sofern grundlegende soziale Kompetenzen, Diskussionsbereitschaft und Empathie vorhanden gewesen wären, hätte an dieser Stelle ein kleiner Hinweis genügt, um die Botschaft zu übermitteln. In der Art und Weise wie hier vorgegangen wurde, bewirkt man jedoch eher einen Gegenreflex, aber vielleicht ist der ja sogar gewollt.
[...]
Ich war Montag früh auch (vollständig bekleidet ;) ) an der Müllabgabe, wo ein Mädel mit Megaphon und ein Typ die Müllsäcke entgegennahmen. Ich hatte den Eindruck, dass vollkommen unabhängig von der Shirt-Regel, die Frau mit Megaphon ein Problem mit dem freundlichen Umgang mit ihren Mitmenschen hatte. Vor mir war eine Person, die ihren Müllsack abgeben wollte der (genau wie meiner) nicht randvoll war von der Megaphonfrau ziemlich pampig angemacht wurde und die Annahme verweigert wurde. Da habe ich gleich mal die Schlange gewechselt und bin zum Typen, der super entspannt meinen nicht ganz vollen Müllsack angenommen hatte.

ifindoubtlove
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Re: No shirt, no service

Beitrag von ifindoubtlove » Do 5. Jul 2018, 12:21

Ich halte es da mit Iggy Pop :D

Bild

Ganz ehrlich, vielleicht kann ich das als Mann ja nicht verstehen, aber wo bitte bleibt das weibliche Selbstbewußtsein? Nur weil Euch ein paar minderbemittelte Machos auf die Brüste schauen zieht ihr Euch an obwohl ihr lieber nackt rumlaufen würdet? Dann hätten genau diese Machos gewonnen und Euch ganz locker die Errungenschaften der Emazipation abgeknöpft. Ich spreche nicht von Anfassen oder noch Schlimmeren, da sollte derjenige ganz schnell eine Watsche im Gesicht haben oder ein Knie zwischen den Beinen. Aber anschauen? Ehrlich?

BassGlueck
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Re: No shirt, no service

Beitrag von BassGlueck » Do 5. Jul 2018, 14:18

Für die nächste Fusion nähe ich mir ein T-Shirt aus transparenten Stoff. Einfach aus Lust am Widerspruch.

Pausn
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Re: No shirt, no service

Beitrag von Pausn » Do 5. Jul 2018, 14:43

purpleslenderloris hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 11:25
rotekarotte hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 10:18

Es war tagsüber verdammt heiß, man bewegt sich viel, man will bisschen Bräune/ Vitamin D abbekommen... da fallen mir genug naive Gründe ein warum man mal ohne Shirt unterwegs ist, die nichts mit Mackertum zu tun haben.
Und das geht nur den Männern so?
Als Frau* kann man eben leider nicht Oberkörperfrei rumlaufen, ohne unangnehm angegafft, angesprochen oder sogar angefasst zu werden.
Ist es tatsächlich so viel verlangt, von Männern zu erwarten sich mal über ihre Privilegien Gedanken zu machen und evtl einfach mal solidarisch auf eben diese zu verzichten?
Es gibt doch auch wunderschöne Mini-tops für Frauen, die die Sonne ihre Haut küssen lassen wollen ohne sich dabei zuviel Sexulaisierung durch gewisse Vertreter des männlichen Geschlechts ausetzen zu wollen.. und aber auch mal ganz ehrlich.. Frauen vergessen gern dass sie selber auch viele Privilegien genießen, sie halt vielleicht nur etwas unsichtbarer ;)
Und ja, der weibliche Körper übt nunmal eine gewisse Faszination auf den Mann aus und wenn der weibliche Körper garnicht mehr als schön und attraktiv, sondern nurnoch als "Haus für die Seele" wahrgenommen werden würde, dann würden auch viele Frauen auch dumm aus der Wäsche schaun. ;)
..da kommts dann halt darauf an wie Mann im einzelnen darauf reagiert.. viele wissen sich leider nicht anders zu helfen als durch stumpfes glotzen oder dummes anmachen.

swatch20
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Re: No shirt, no service

Beitrag von swatch20 » Do 5. Jul 2018, 15:42

BassGlueck hat geschrieben:
Do 5. Jul 2018, 14:18
Für die nächste Fusion nähe ich mir ein T-Shirt aus transparenten Stoff. Einfach aus Lust am Widerspruch.
Geile Idee <3

swatch20
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Re: No shirt, no service

Beitrag von swatch20 » Do 5. Jul 2018, 15:51

ifindoubtlove hat geschrieben:
Do 5. Jul 2018, 12:21
Ich halte es da mit Iggy Pop :D

Bild

Ganz ehrlich, vielleicht kann ich das als Mann ja nicht verstehen, aber wo bitte bleibt das weibliche Selbstbewußtsein? Nur weil Euch ein paar minderbemittelte Machos auf die Brüste schauen zieht ihr Euch an obwohl ihr lieber nackt rumlaufen würdet? Dann hätten genau diese Machos gewonnen und Euch ganz locker die Errungenschaften der Emazipation abgeknöpft. Ich spreche nicht von Anfassen oder noch Schlimmeren, da sollte derjenige ganz schnell eine Watsche im Gesicht haben oder ein Knie zwischen den Beinen. Aber anschauen? Ehrlich?
Ist zwar leicht gesagt aber eigentlich hast du recht. Die Fusion, trotz der Entmutigung mal nackt umher zu laufen, und dieser thread, keine Lüge, haben mich seit Jahren wieder dazu ermutigt außerhalb des Festivalgeländes etwas Ärmelloses zu tragen. Und es geht, wie man sich manchmal doch von Konstrukten einschüchtern lässt....
Alle denen ich das sage lachen mich aus, denn ich kann eigentlich recht zufrieden sein mit meinem Körper, aber da hat ein Junge aus der Schule gereicht als ich 13 war, der sich abfällig über meine Figur geäußert hat, schwups trug ich 23 Jahre lang keine Röcke mehr und seit acht Jahren keine Shirts. Ich bin superschlank aber habe ein Lipödem. Zum Glück in sehr schwacher Ausprägung aber dieses Urteil hat mein Leben zur Hölle gemacht. So, watch your language, das empfehle ich auch der Fusion!

_Mina_
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Re: No shirt, no service

Beitrag von _Mina_ » Do 5. Jul 2018, 19:14

Pausn hat geschrieben:
Do 5. Jul 2018, 14:43
purpleslenderloris hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 11:25
rotekarotte hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 10:18

Es gibt doch auch wunderschöne Mini-tops für Frauen, die die Sonne ihre Haut küssen lassen wollen ohne sich dabei zuviel Sexulaisierung durch gewisse Vertreter des männlichen Geschlechts ausetzen zu wollen.. und aber auch mal ganz ehrlich.. Frauen vergessen gern dass sie selber auch viele Privilegien genießen, sie halt vielleicht nur etwas unsichtbarer ;)
Und ja, der weibliche Körper übt nunmal eine gewisse Faszination auf den Mann aus und wenn der weibliche Körper garnicht mehr als schön und attraktiv, sondern nurnoch als "Haus für die Seele" wahrgenommen werden würde, dann würden auch viele Frauen auch dumm aus der Wäsche schaun. ;)
..da kommts dann halt darauf an wie Mann im einzelnen darauf reagiert.. viele wissen sich leider nicht anders zu helfen als durch stumpfes glotzen oder dummes anmachen.
Vielleicht möchte ich mich als Frau gar nicht von Männern bewerten lassen wollen, ob ich jetzt süß, attraktiv, sexy, ...nur noch ein 'verwelktes Seelenhaus' bin.
"Zieh doch mal n Minitop an, lass dir die Intimbehaarung wachsen, Landingstrip tuts auch, und ja das Hurenhalsbändchen für n bißchen Devotion nicht vergessen, Arschbacken raushängen, aber nur in good slim shape..sonst wirds widerlich. An Frauen über 30 sowieso schräg."
Dieser ganze youthness und Bewertungswahn war doch subtil aber auch offen immer wieder auf der Fusion zu spüren. Auch von Frauen gegenüber Frauen und Frauen gegenüber Männern.
Emanzipation beginnt bei mir zwischen den Ohren und nicht beim Shirt.

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