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Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: Mi 6. Mär 2019, 16:21
von Wudu
Liebes Fusion Team,

Ich habe soeben euren Newsletter erhalten und gelesen und bin etwas in Unmut geraten, über eure Selbstreflektion, von der ich wesentlich mehr erwartet hätte.

Ich werde in diesem offenen Brief nicht großartig in Politische Diskussionen verfallen - sondern versuchen, an euch, das Team und die Festivalgänger zu appellieren: "Wir machen das Festival - Nicht umgekehrt!"

Ich besuche das Festival nun seit 10 Jahren und obwohl wir seitdem noch nie so gutes Wetter hatten und es die groß angekündigte 2-Jahrespause zur "Neuorientierung" gab, war diese Fusion organisatorisch ein Desaster wie ich es noch nie erlebt habe.

Versteht mich nicht falsch: Alles war wo es sein sollte und alles hatte einen professionellen flüssigen ablauf. Aber der Fusion-Spirit ist ist dieses mal irgendwo zwischen Perfektionsdrang und Hype verloren gegangen..

Zuerst einmal zu der "Über-Organisation":
Diese Fusion war musikalisch so sehr strukturiert, dass es kaum Genre-übergreifenden Kontakt gab. Dies ist für mich Aushängeschild der FUSION - das vermischen! Ich als Basshead zbs. wurde nur Nachts ins kleine Zelt, Tubebox oder ausnahmsweise ins Querfeld verwiesen.

Normalerweise gab es an jedem Floor auch verschiedene Musikstile, sodass man nach einem Gig auch einfach mal bleibt und neues Entdeckt. Durch die Genrefixierten Floors konnte ich zB. kein einziges mal auf meinem absoluten Lieblingsfloor dancen: Seebühne. Es ist bisher noch nie vorgekommen, dass ich, wenn ich höre was ich feier, die meiste Zeit der Fusion auf den gleichen Floors verbringe. Klar: Trancefloor bleibt Transit und Turmbühne, Turmbühne.. Doch der Reiz vieler anderer Floors war gerade, dass es immer Neues, Verschiedenes zu entdecken gab.

Stattdessen hörte ich bei jedem Floor bei meinen Entdeckungsreisen das jeweilig Selbe Geplänkel.. Würde mich sehr freuen, wenn die Fusion da in Zukunft ihrem Namen wieder mehr gerecht wird..


Review zum Newsletter

Ich habe nach dem Lesen das Gefühl, abgefrühstückt zu sein und lese eher Rechtfertigung, als Bereitschaft aus Fehlern lernen und wachsen zu wollen. Zuerst einmal ist es, wie ihr selbst sagt, noch nie dazu gekommen, dass es so spät zur Review von eurer Seite aus kommt.. Und das, nach einer der kontroversesten Fusions die wir je erlebt haben? Das wird dann auch noch damit erklärt, dass ihr euch halt einfach zu selten getroffen habt und die Diskussion "untern Tisch gefallen ist"??

GERADE nach einer solchen Fusion MUSS ein intensives internes Treffen provoziert werden und das nicht zu selten, um den Geist des Festivals, der droht aus seinen Nähten zu platzen, zusammenzuhalten. Ich melde mich deshalb zu Wort, weil ich nicht bereit bin, die Fusion kampflos aufzugeben. Bitte tut das auch nicht. Die Diskussion über all diese Themen ist essenziell wichtig für den Fortbestand, damit der Geist des Festivals, der für mich über jeglichen Acts und Lichtshows steht, erhalten bleibt.

Das Publikum hat sich geändert, Ja. Aber das heisst nicht, dass ihr 2019 187 nach dem neuen Album auf die Fusion einladen solltet, weil sie nen Hype haben und 8000 Follower aufm Floor sind (Stichwort Oliver & SXTN). "Kunst muss ja auch mal über Grenzen gehen" Argument ad absurdum an dieser Stelle..

Wenn ein Act grundsätzlich dem Grundgedanken des Festivals widerspricht, ist es egal, wie viele Anhänger er hat. Ansonsten schwingt die Fusion in der Polarität völlig um, von Ferien-Kommunismus zu Ferien-Faschismus. Sexismus gehört nicht auf die Fusion. Ihr habt hochsensibilisiertes Publikum wie ihr wisst und die Menschen mit solchen Gedankengut zu konfrontieren ist höchst kontraproduktiv für der Gesellschaft, für die wir ja eine Alternative aufzeigen wollen.

Klar sind Gewaltausbrüche scheisse und das es mal wieder die Falschen mit der Flasche trifft. Aber ihr müsst bei realistischer Betrachtungsweise einfach akzeptieren, dass ihr nicht gerade das Nüchternste und Zurechnungsfähigste Publikum habt..? Nach 4 Tagen Action kochen die Emotionen mal über, dies entschuldigt absolut kein Gewaltvergehen, jedoch spiegelt das die Verletztheit der Alteingesessenen wieder, dass solche Menschen überhaupt auf der Fusion spielen dürfen. Ich fühle da genauso, mir hat der einfache Boykott aber gereicht.. "stell dir vor es herrscht Krieg und keiner geht hin"...

Solche Revolten können vermieden werden, indem das Booking sich abseits vom "wer ist gerade angesagt", recherchiert mit WEM man es da wirklich zu tun hat!! Insgesamt war dieses mal wesentlich weniger experimentell, sondern der Massstab war gefühlt eher die Angesagtheit der Interpreten.

Hype ist egal. Krasse Acts sind egal. Es ist lediglich der Spirit, der das Festival von allem anderen abhebt. Wenn der erstmal weg ist, weil ihr euch dem Publikum immer weiter anpasst, bleibt nichts ausser ein weiteres Drogenfestival das mal ganz tolle Ideen HATTE.

Der Höhepunkt dessen, dass eine weitere Auseinandersetzung mit den höchstsensiblen und kontroversen Themen unerwünscht ist, sprudelt nur vor Mangel an Einsichtsvermögen. Denn der Spirit lebt nur durch euch UND die aktiv mitgestaltenden Gäste. Da müsst ihr leider zwangsweise zuhören und mitdiskutieren. Wir gehören genauso zum Team. Dies ist keine Diktatur. Der Fusion-Newsletter ist Zeugnis darüber, dass ihr selbst die Kontrolle und den Überblick verloren habt. Die meisten Dinge konnten deshalb nichtmal weiter diskutiert werden. Ok. Aber dann seid ihr gezwungen, euch mit den Gästen auseinanderzusetzen. Die Spitze und das Fundament der Pyramide müssen zusammenarbeiten, um von beiden Richtungen zu berichten und zu reflektieren. Alleine kriegt ihr nur die Spitze des Eisbergs mit und alles unterhalb der Oberfläche entwickelt ein eigenleben.

Ich will garnicht weiter auf einzelne Punkte des Newsletters eingehen. Nur bitte ignoriert diese Stimmen, die laut wurden und werden nicht. Sie sind das, was geblieben ist nachdem das Ticketbingo eingeführt wurde. Schon dort sind viele alte Fusionhasen abgesprungen und das hat sich bemerkbar gemacht (dies ist keine Kritik am System, nur eine Feststellung - Ich wüsste selbst keine Lösung). Verliert ihr nun die nächste Welle alteingesessener Fusionisten/innen bleibt euch ein Festival mit ner Masse von Menschen die das Festival nicht im Ansatz verstehen und es mutiert zum Ballerparadies. Wir brauchen euch, ihr braucht uns. Der Austausch muss fortbestehen.

Falls euch das überhaupt erreicht, danke fürs Zeit nehmen. Freue mich auf die nächste Fusion, hoffe das es besser läuft und solche Fehler nicht wieder vorkommen und werde mein bestmögliches geben das es so kommt!

1Love, Wudu

Re: Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: Mi 6. Mär 2019, 16:44
von Pladde
Wenn denn solltest du das an den Kulturkosmos schicken...

Re: Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: Mi 6. Mär 2019, 16:47
von divergenz
Also ich fand 2018 mal wieder voll die Hammer:-)

Re: Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: Mi 6. Mär 2019, 17:22
von Pladde
divergenz hat geschrieben:
Mi 6. Mär 2019, 16:47
Also ich fand 2018 mal wieder voll die Hammer:-)
Word!

Re: Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: Mi 6. Mär 2019, 21:39
von lachgrübchen
Sehr gut geschrieben. Du bringst genau auf den Punkt was mir beim lesen des Newsletter durch den Kopf ging. Ich hoffe der Kulturkosmos nimmt sich die Kritik zu Herzen bzw. setzt sich vernünftig mit ihr auseinander. Besonders das "weitere Diskussionen über das Thema sind unerwünscht" ist mir doch sehr bitter aufgestoßen...

Re: Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: Do 7. Mär 2019, 10:27
von ifindoubtlove
Volle Zustimmung meinerseits. Und sehr gut geschrieben.

Obwohl ich erst seit 2015 dabei bin hatte ich auf meinen beiden ersten Fusions das Gefühl dass hier Menschen ein Festival organisieren und feiern für die es um sehr viel mehr als nur um Party geht. Klar, Party ist auch wichtig, aber eben genauso wichtig ist das Gefühl eine Gegenwelt zu gestalten. Durch die Veranstalter, durch die Musiker, durch die DJs, durch die Besucher. Letztes Jahr waren mir einige Acts dafür viel zu sehr Mainstream, viel Publikum zu wenig an allem außer Party interessiert und viel zu viel wie bei anderen Festivals auch.

Kommt bitte wieder zurück zu dem wofür ich die Fusion liebe!

Re: Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: So 10. Mär 2019, 17:44
von Wudu
Wahrscheinlich führt echt nichts dran vorbei das nochmal direkt zu schicken.. Im Forum scheinen die Drahtzieher nicht aktiv zu sein..

Re: Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 19:01
von nördnerd
Super Gedanken die du da zu "Papier" gebracht hast. Ich hoffe es findet gehör :)

Re: Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: Mi 27. Mär 2019, 13:25
von Juppes09
Wudu hat geschrieben:
So 10. Mär 2019, 17:44
Wahrscheinlich führt echt nichts dran vorbei das nochmal direkt zu schicken.. Im Forum scheinen die Drahtzieher nicht aktiv zu sein..
Ernstgenommen werden willst du nicht oder ?

Re: Offener Brief an die Fusion und Fusionisten/innen

Verfasst: Fr 29. Mär 2019, 11:03
von encarnizado
Juppes09 hat geschrieben:
Mi 27. Mär 2019, 13:25
Wudu hat geschrieben:
So 10. Mär 2019, 17:44
Wahrscheinlich führt echt nichts dran vorbei das nochmal direkt zu schicken.. Im Forum scheinen die Drahtzieher nicht aktiv zu sein..
Ernstgenommen werden willst du nicht oder ?
ich tippe auf unglückliche wortwahl ^^ ansonsten stimme ich dem brief aber leider zu.