No shirt, no service

Took
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Re: No shirt, no service

Beitrag von Took » Mi 4. Jul 2018, 13:19

ilitsch hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 13:16
@ tranquilized

Ich meine was willst du überhaupt erreichen mit deiner Solidarität ? Ich gehe mal davon aus, einen emanzipativen Umgang mit Körperlichkeit oder Nacktheit, insbesondere oder zuerst von Frauen, dann kann ich nicht sehen, wie das Mittel - alle sollen sich anziehen - auch nur irgendwie den Zweck fördert das sich eine Gruppe jetzt benachteiligungsfrei ausziehen kann. Das Gegenteil ist der Fall, alle ziehen sich eben an, und reproduzieren die gesellschaftliche Tabusisierung von Nacktheit. Nicht mehr und nicht weniger wird dadurch erreicht.

Hinzukommt das alle menschen Nachteile erfahren - Frauen mit Sicherheit stärker - wenn sie sich teilweise nackt zeigen ( ganz nackt ist ja bereits eine Ordnungswidrigkeit), Frauen gelten als Sexualobjekt, Männer als dumme Proleten etc.

Man kann es entweder so sehen, das Nacktheit ein Symbol der Befreiung von gesellschaftlichen Konventionen ist, oder eine Unterwerfung unter den männlichen Blick in einer patriarchalen gesellschaft impliziert ( beides wird in der Frauenbewegung vertreten, wobei sich ein teil der Fusion offensichtlich hier der 2. Meinung angeschlossen hat).

Was hat das - also die 2 Meinung - ganz persönlich zur Folge ? Männern die sich entblößen, und damit ausdrücken: "Seht her so bin ich, und das ist gut so ?" wird ein Schuldgefühl vermittelt, da sie so gegenüber menschen anderen Geschlechts eben ausdrücken, " ich der das wahrnimmt, genüge dem nicht, weil ich bspw. Brüste habe oder 3 Brustwarzen etc.". Deswegen sollen sich eben alle wieder anziehen, um über den Körper keine Herrschaftsverhältnisse zu vermitteln.

Für mich führt dieser Weg / Mittel aber nicht zu einem Emanzipativem Umgang mit Körperlichkeit, sondern nur zu einer Aufrechterhaltung bzw. verdeckung der Herrschaftverhältnisse. Denn, wenn in einer Gesellschaft die Menschen allein aufgrund ihres So-Seins schuldhaft werden müssen (wenn sie also nicht gerade richtig «behaust» bzw. angezogen sind), können sie nicht frei sein und einem Aufbegehren gegen ungerechte Zustände wird der Impuls genommen.
Danke für diese ausführliche Darstellung. Ich stimme dem voll und ganz zu.

iron
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Re: No shirt, no service

Beitrag von iron » Mi 4. Jul 2018, 15:48

Took hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 13:19
ilitsch hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 13:16
@ tranquilized

Ich meine was willst du überhaupt erreichen mit deiner Solidarität ? Ich gehe mal davon aus, einen emanzipativen Umgang mit Körperlichkeit oder Nacktheit, insbesondere oder zuerst von Frauen, dann kann ich nicht sehen, wie das Mittel - alle sollen sich anziehen - auch nur irgendwie den Zweck fördert das sich eine Gruppe jetzt benachteiligungsfrei ausziehen kann. Das Gegenteil ist der Fall, alle ziehen sich eben an, und reproduzieren die gesellschaftliche Tabusisierung von Nacktheit. Nicht mehr und nicht weniger wird dadurch erreicht.

Hinzukommt das alle menschen Nachteile erfahren - Frauen mit Sicherheit stärker - wenn sie sich teilweise nackt zeigen ( ganz nackt ist ja bereits eine Ordnungswidrigkeit), Frauen gelten als Sexualobjekt, Männer als dumme Proleten etc.

Man kann es entweder so sehen, das Nacktheit ein Symbol der Befreiung von gesellschaftlichen Konventionen ist, oder eine Unterwerfung unter den männlichen Blick in einer patriarchalen gesellschaft impliziert ( beides wird in der Frauenbewegung vertreten, wobei sich ein teil der Fusion offensichtlich hier der 2. Meinung angeschlossen hat).

Was hat das - also die 2 Meinung - ganz persönlich zur Folge ? Männern die sich entblößen, und damit ausdrücken: "Seht her so bin ich, und das ist gut so ?" wird ein Schuldgefühl vermittelt, da sie so gegenüber menschen anderen Geschlechts eben ausdrücken, " ich der das wahrnimmt, genüge dem nicht, weil ich bspw. Brüste habe oder 3 Brustwarzen etc.". Deswegen sollen sich eben alle wieder anziehen, um über den Körper keine Herrschaftsverhältnisse zu vermitteln.

Für mich führt dieser Weg / Mittel aber nicht zu einem Emanzipativem Umgang mit Körperlichkeit, sondern nur zu einer Aufrechterhaltung bzw. verdeckung der Herrschaftverhältnisse. Denn, wenn in einer Gesellschaft die Menschen allein aufgrund ihres So-Seins schuldhaft werden müssen (wenn sie also nicht gerade richtig «behaust» bzw. angezogen sind), können sie nicht frei sein und einem Aufbegehren gegen ungerechte Zustände wird der Impuls genommen.


Ich stimme dem auch zu! Alles andere führt zu noch mehr Unterdrückung, Diskriminierung und zu einer Sonderstellung der Nacktheit. Auf der letzten Fusion gab es einen netten Vortrag zu FKK, den sollte man sich nochmals zu Gemüte führen. Nacktheit ist nichts besonderes! Zwar ist sie es in unserer Gesellschaft, aber besonders auf der Fusion sollte sie das nicht sein, warum sollte man sich also danach richten wie der Seinzustand ist, wenn alles andere auf der Fusion so gelebt wird wie man sich den Sollzustand wünscht?
Solidarität durch Shirt finde ich etwas dusselig, vor allem wie soll denn jemand merken, dass ich meine Solidarität so zeige? Da bräuchte ich ja fast ein bedrucktes Shirt. Und alles wird davon ausgemacht, wie derjenige aussieht. Wenn ich ein Mann mit athletischem Körper bin und oberkörperfrei, bin ich dann gleich ein "Bro"? Und wenn ich eine Plautze habe, bin ich dann ein Proll? Oder hat man dann nicht genau das gleiche Recht sich auszuziehen wie alle anderen auch. Ich finde hier wird viel mit irgendwelchen Stereotypen gearbeitet. Nacktheit für Alle!

swatch20
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Re: No shirt, no service

Beitrag von swatch20 » Mi 4. Jul 2018, 16:03

Rippenqualle hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 09:14
Ich vermute, dass es dabei um die (über-)sexualisierung der weiblichen Brust in unserem Kulturkreis geht. Es ist für Frauen nunmal nicht genau so möglich oberkörperfrei unterwegs zu sein wie für Männer. Es wird deshalb vorgeschlagen, dass Männer so lange auf dieses Privileg verzichten sollten, bis es eben kein Privileg mehr ist. :)
Verstehe ich, gehe mit etc... Aber die fusion war doch immer ein Ort wo so etwas keinen Platz hatte und eben auch Frauen ungestört nackt sein konnten....

swatch20
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Re: No shirt, no service

Beitrag von swatch20 » Mi 4. Jul 2018, 16:04

swatch20 hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 16:03
Rippenqualle hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 09:14
Ich vermute, dass es dabei um die (über-)sexualisierung der weiblichen Brust in unserem Kulturkreis geht. Es ist für Frauen nunmal nicht genau so möglich oberkörperfrei unterwegs zu sein wie für Männer. Es wird deshalb vorgeschlagen, dass Männer so lange auf dieses Privileg verzichten sollten, bis es eben kein Privileg mehr ist. :)
Ach ja und wenn man Verbote oder Tabus Scheiße findet, bringen natürlich mehr Verbote und Tabus immer voll was... dann sexualisieren wir jetzt eben Männerbrüste und machen die auch tabu.

Verstehe ich, gehe mit etc... Aber die fusion war doch immer ein Ort wo so etwas keinen Platz hatte und eben auch Frauen ungestört nackt sein konnten....

swatch20
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Re: No shirt, no service

Beitrag von swatch20 » Mi 4. Jul 2018, 16:08

BassGlueck hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 09:57
Soweit ich weiß kommt das aus den rassistischen 30 Jahre Südstaaten. Dort gab es öfter Schilder: 'No shoes, no shirt, no service' um die armen schwarze Bevölkerung fernzuhalten, die sich oft keine Schuhe leisten konnten.

Wer solche Schilder heute aufstellt kann auch gleich 'Arbeit macht frei' über die Schleusen aufhängen.
Ja krass gesagt aber wahr

PeterS
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Re: No shirt, no service

Beitrag von PeterS » Mi 4. Jul 2018, 16:10

Mal meinen Senf dazu:

Ich fand das No-Shirt-Ding auch befremdlich. An der Turmbühnen-Bar hab ich das noch für nen Witz gehalten, als wenn man auf der Fusion ein Schild "Rasen nicht betreten" aufstellen würde, ein ironischer Seitenhieb in Richtung deutscher oder amerikanischer Spießigkeit.
Dann hat aber eine junge Frau an der Müllabgabe mit dem Megafon Leute in aller Ernsthaftigkeit Leute angekackt dafür, und da musste ich dann mal überlegen, warum mir das so fies aufgestoßen ist:
Fusion heißt für mich "sei wie du bist". Und für mich als Kerl mit bescheuerten Körperkomplexen heißt es viel, dass ich tagsüber mal auf nem Floor ohne T-Shirt in der Sonne abtanzen konnte, eben wegen diesem "Sei wie du bist"-Gedanken. Wo anders könnte ich das nicht aus Angst.
Auch sind mir zwischendurch Frauen oben ohne begegnet und ich dachte mir "Cool hier können Frauen auch einfach oben ohne laufen - DAS ist Freiheit" - und nicht "öhö, geil, titten".
Eben wenn soetwas normalisiert wird stirbt doch die Sexualisierung von z.B. Brüsten. Am Strand nackig baden heisst auch zu sehen "Das sind Körper, jede*r hat einen, jede*r sieht anders aus, und das ist erstmal nur wer wir unter der Kleidung sind - nämlich Menschen"
Erst das Tabuisieren und Verdecken lässt das ganze Sexualisieren zu!

Das heißt _nicht_, dass offensives Gaffen oder gar Grapschen in irgendeiner Art in Ordnung wäre. Wenn ich nackig am Strand an die Eier gefasst werde oder mir hjemand aufm Floor einfach über den Bauch streicht finde ich das daneben und die Person hat mit allem Gegenwind zu rechnen, der mir legitim erscheint. Gleiches gilt für jemanden, der ner Frau Oben Ohne an den Körper geht.

swatch20
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Re: No shirt, no service

Beitrag von swatch20 » Mi 4. Jul 2018, 16:13

tranquilized hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 10:28
Boah - ey dieses Jahr ist das Unverständnis ob des politischen und auch gesellschaftkritischen Konsens dieses Festivals echt riesengroß oder? Oder hängen die ganzen stumpfen Typen alle versammelt hier im Forum ab!

Oberkörperfrei ist auch in fast allen AJZ´s nicht gern gesehen! Genau aus dem oben schon beschriebenen Grund! Alter - einfach mal über den Tellerrand hinausblicken, lernen, verstehen und vielleicht die Welt ein bißchen angenehmer machen!
Ah danke, dachte mir das gleiche und habe lediglich eine Frage gestellt, wenn mit solchen Aktionen nichts bewirkt werden soll, weil jeder der es verstehen will und nachfragt dumm angepöbelt wird, sollte man vielleicht gleich besser informieren über die Hintergründe und den Leuten eine Chance geben es zu verstehen oder eben wie seit Beginn der Fusion die Leute so sein lassen wie sie sein wollen

swatch20
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Re: No shirt, no service

Beitrag von swatch20 » Mi 4. Jul 2018, 16:15

nobrain hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 11:10
swatch20 hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 01:49
Klärt mich auf...
hättest halt auch die 2. zeile auf dem schild lesen sollen ;)
Auf keinem der Schilder gab es eine weitere Zeile... wovon sprichst du?

swatch20
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Re: No shirt, no service

Beitrag von swatch20 » Mi 4. Jul 2018, 16:17

raketen_ralf hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 11:52
tanztanztanz hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 11:51
Ich vergesse immer das wir ja hier im Hypermoralraum der politischen Ultrakorrektheit sind.
so wie es sein sollte, wenn man konstruktiv diskutieren will
Eine pauschale Verurteilung aufgrund einer Frage, aus der ich lernen wollte es zu verstehen ist natürlich überaus konstruktiv. Menschen in Schubladen stecken auch. Applaus!
Zuletzt geändert von swatch20 am Mi 4. Jul 2018, 16:53, insgesamt 1-mal geändert.

Desenchantee
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Re: No shirt, no service

Beitrag von Desenchantee » Mi 4. Jul 2018, 16:18

PeterS hat geschrieben:
Mi 4. Jul 2018, 16:10
Mal meinen Senf dazu:

Ich fand das No-Shirt-Ding auch befremdlich. An der Turmbühnen-Bar hab ich das noch für nen Witz gehalten, als wenn man auf der Fusion ein Schild "Rasen nicht betreten" aufstellen würde, ein ironischer Seitenhieb in Richtung deutscher oder amerikanischer Spießigkeit.
Dann hat aber eine junge Frau an der Müllabgabe mit dem Megafon Leute in aller Ernsthaftigkeit Leute angekackt dafür, und da musste ich dann mal überlegen, warum mir das so fies aufgestoßen ist:
Fusion heißt für mich "sei wie du bist". Und für mich als Kerl mit bescheuerten Körperkomplexen heißt es viel, dass ich tagsüber mal auf nem Floor ohne T-Shirt in der Sonne abtanzen konnte, eben wegen diesem "Sei wie du bist"-Gedanken. Wo anders könnte ich das nicht aus Angst.
Auch sind mir zwischendurch Frauen oben ohne begegnet und ich dachte mir "Cool hier können Frauen auch einfach oben ohne laufen - DAS ist Freiheit" - und nicht "öhö, geil, titten".
Eben wenn soetwas normalisiert wird stirbt doch die Sexualisierung von z.B. Brüsten. Am Strand nackig baden heisst auch zu sehen "Das sind Körper, jede*r hat einen, jede*r sieht anders aus, und das ist erstmal nur wer wir unter der Kleidung sind - nämlich Menschen"
Erst das Tabuisieren und Verdecken lässt das ganze Sexualisieren zu!

Das heißt _nicht_, dass offensives Gaffen oder gar Grapschen in irgendeiner Art in Ordnung wäre. Wenn ich nackig am Strand an die Eier gefasst werde oder mir hjemand aufm Floor einfach über den Bauch streicht finde ich das daneben und die Person hat mit allem Gegenwind zu rechnen, der mir legitim erscheint. Gleiches gilt für jemanden, der ner Frau Oben Ohne an den Körper geht.
hier gibts nichts mehr hinzuzufügen! So sehe ich das auch!

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