Was machst du so?

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Zweitaccount
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Re: Was machst du so?

Beitrag von Zweitaccount » Mo 7. Jul 2014, 14:42

Rainer hat geschrieben: Um ehrlich zu sein, ich studiere "Quantitative Finance" und strebe eine Stelle in einer Investmentbank/Hedgefond/Financial Research an.
Was willst du eigentlich auf der Fusion? Wenn die "freie Marktwirtschaft" und der Kapitalismus so geil ist deiner Meinung nach, dann kannst du doch einfach auf eines dieser anderen Festivals gehen. Da findest du vielleicht jemanden, dem dein Beruf gefällt.

Was ist hier eigentlich los? Leute, Leute Leute...

Sorry, aber da ja schon einige andere es mit Erklärungen versucht haben, gehe ich mal direkt in die Pöbelschiene. Weil...ich versteh echt nicht, was hier los ist. Als Investmentbanker zum Ferienkommunismus...und dann darüber meckern, dass der Beruf andere Leute abschreckt...das macht mich fertig. In meinem Kopf passt das jetzt aber überhaupt mal nicht zusammen. Ich weise noch mal darauf hin, dass Toleranz nicht bedeutet, jeden intoleranten Quatsch zu akzeptieren. "Achso, du investierst also das erfundene Geld anderer Leute in Lebensmittelspekulationen? Geilomat, alter!" Oder was?

Pragmatisch könnte man jetzt sagen: Zum Glück fliessen deine Moneten/späteren Moneten auch in antikapitalistische Projekte.

DieEnteMedusa
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Re: Was machst du so?

Beitrag von DieEnteMedusa » Mo 7. Jul 2014, 14:44

siggi hat geschrieben: den beruf den man ausführt sagt doch nichts über den menschen aus...

Na ja... Das würde ich so nicht unterschreiben....
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Rainer
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Re: Was machst du so?

Beitrag von Rainer » Mo 7. Jul 2014, 15:46

clownsarmy hat geschrieben:schon kacke, wenn mensch seine Beschäftigung zum Geldverdienen verheimlichen muss um sich nicht selbst untreu zu werden.... in 5 tagen Urlaub vom Leben.... ist ja grausam.


Hab ich ein Glück.
Brummse hat geschrieben:Ich verstehe diesen fred nicht.
Rainer, was willst du eigentlich?
Du kannst dir doch an einem Finger abzählen, das du mit deinem Fachgebiet als Feindbild herhalten musst. Die Offenbarung kommt aber erst bei deiner Wahl des Arbeitgebers. Sollen wir uns bis dahin hier einen Wolf diskutieren?
etc...

->Natürlich war und bin ich mir darüber bewusst, dass ich mir mit der Darstellung meines bisherigen Werdegangs und meiner Ansichten nicht gerade viele "Freunde" auf der Fusion mache...
Und natürlich könnte ich einfach lügen oder, wie es hier bereits des öfteren vorgeschlagen wurde, solche Situationen meiden. Aber euch ist wohl auch klar, dass das Vermeiden solcher Situationen impliziert, dass ich mich gar nicht erst mit Leuten unterhalte, welche den Anschein erwecken mir feindselig gegenüber zutreten, sobald sie von meinem Studium/Berufswunsch erfahren. Bspw. also Menschen mit Antifa-Shirts, Dreadlocks, etc...
Genau das möchte ich ja aber nicht! Ich finde es spannend mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die andere Ansichten als ich vertreten, da dies oft zu interessanten Diskussionen führt. Ich möchte, dass mir mit Toleranz und Respekt entgegengetreten wird, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Anstatt zu stigmatisieren und zu verurteilen, möchte ich den konstruktiven Austausch fördern. Ich selbst verhalte mich ggü. anderen Menschen auch so objektiv wie möglich. Mir würde es nicht im Traum einfallen, andere friedliebende Menschen als "Abschaum der Gesellschaft", "echt das allerletzte" oder "Drecksmensch" zu bezeichnen. Durfte ich mir alles an den Kopf werfen lassen. Hinderte mich trotzdem nicht daran auch weiterhin vermeintliche "Systemkritiker" anzuquatschen! Diese hypokratische Doppelmoral, die hier von einigen Leuten an den Tag gelegt wird, kann ich nicht nachvollziehen. Wie mich hier manche selbsterklärten Weltverbesser auch noch ganz unverfroren zum Feindbild stilisieren, anstatt mich einfach mal zu fragen, warum ich "Quantitative Finance" studiere. Die Wut auf das von euch achso verhasste System auf einzelne Individuen zu kanalisieren ist meines Erachtens mit "eurer" Weltanschauung nicht vereinbar. Freiheit als höchstes Gut auf die Flagge schreiben, aber die Freiheit auf freie Meinungsäußerung und ein selbstbestimmtes Leben sofort als "opportunistisch" deklarieren, sobald es zu stark von den eigenen Ansichten abweicht.

Wie hat es Funkyjay bereits treffend formuliert:
"Alle sind gleich, einige sind gleicher"

Noch ein letztes Mal bzgl. Greenpeace: Eigentlich dachte ich, ich hätte mich klar genug ausgedrückt...
Nein, natürlich hätte ich den Mitarbeiter von GP nicht als Beispiel für die "Erforderlichkeit" von Investmentbankern herangezogen. Wie ich bereits geschrieben hatte "gerechtfertigte Kündigung, war nur eine Frage der Zeit..."
Und ganz nebenbei Mangosaft2, sei doch bitte nicht so naiv. Auch GP weiß über die Problematik der achso geliebten Doppelmoral der "Ökokrieger" bescheid. Wäre der Mitarbeiter erfolgreich gewesen, hätte das so gut wie niemand mitbekommen oder glaubst du etwa, dass sich GP damit rühmen würde, am Devisenmarkt erfolgreich eine Rendite von bspw. 1 Mil.€ erwirtschaftet zu haben?

PS: Habe jetzt schon ein paar private Nachrichten von Fusionisten/innen erhalten, die das selbe Problem haben. Keine Banker, aber z.B. Biologen großer Pharmakonzerne, Gerichtsvollzieher, Juristen...
Die verheimlichen/verschleiern ihren Beruf übrigens...
Schade eigentlich.

Zweitaccount
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Re: Was machst du so?

Beitrag von Zweitaccount » Mo 7. Jul 2014, 16:41

Rainer hat geschrieben:Die Wut auf das von euch achso verhasste System auf einzelne Individuen zu kanalisieren ist meines Erachtens mit "eurer" Weltanschauung nicht vereinbar. Freiheit als höchstes Gut auf die Flagge schreiben, aber die Freiheit auf freie Meinungsäußerung und ein selbstbestimmtes Leben sofort als "opportunistisch" deklarieren, sobald es zu stark von den eigenen Ansichten abweicht.
Ja, eh, du hast da was nicht verstanden. Wir üben doch nicht Kritik am System, um Kritik am System zu üben. Sondern weil dieses System schlimme Folgen für Menschen, Tiere und die Umwelt hat. Die EIGENE Freiheit hört halt einfach da auf, wo die Freiheit ANDERER beschnitten wird. Und du und dein Job bzw. dein zukünftiger Job, ihr beschneidet die Freiheit anderer ganz erheblich. Stell dir vor, Menschen verrecken überall auf der Welt wegen Leuten wie dir und dem System. Meinst du wirklich, dass du diesen Job ausüben kannst gehört zu deiner EIGENEN Freiheit? Mit Sicherheit nicht. Denn sie beschneidet die Freiheit der anderen. Und das selbe würde ich zu den von dir aufgezählten Fusionist_innen auch sagen.

Was du machst, weicht nicht stark von unserer Meinung ab. Denn Menschenleben nicht aufs Spiel setzen zu wollen ist keine Meinung, genau so wenig wie es eine Meinung ist, Menschenleben aufs Spiel zu setzen.

Das Problem ist, dass die Kritik an der Gesellschaft und wie wir Menschen miteinander umgehen oder mit der Umwelt umgehen selten auf sich selbst bezogen wird. Weil, autsch, dann könnte es ja mal wehtun. Deshalb wird ja auch die Kritik an Bankern immer größer, während sich weiterhin kaum einer mit der Systemkritik beschäftigt: Ist halt einfacher mit dem Finger auf andere zu zeigen. Und nichts anderes machst du mit deinem Rumgeheule. Du hast dir den Beruf ausgesucht, die schlimmen Folgen dieses Berufes lassen sich überall erkennen wenn man nur mal die Augen aufmacht und Kritik ist mehr als berechtigt. Und da besitzt du noch die Dreistigkeit hier rum zu heulen, dass dich auf der Fusion niemand mehr mag wenn du deinen Beruf erwähnst? Schließ dein Studium ab und werde NICHT Investmentbanker, dann wirds vielleicht noch was.

Eines ist natürlich wichtig: Die Systemkritik ist unerlässlich!

Aber bitte, ich bin gespannt: Warum studierst du Quantitative Economy?

mangosaft2
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Re: Was machst du so?

Beitrag von mangosaft2 » Mo 7. Jul 2014, 17:12

"...du etwa, dass sich GP damit rühmen würde, am Devisenmarkt erfolgreich eine Rendite von bspw. 1 Mil.€ erwirtschaftet zu haben?"

- in Anbetracht dessen, dass sie gar keinen klassischen Gewinn (im Sinne des Kapitalmarktes) erwirtschaften dürfen und können...
Weiterverkaufen von Devisen wäre ja nicht drin gewesen.

Die Währungsabsicherung ist nun ja - genau dies. Eine Absicherung die schief oder gut gehen kann. Aber in diesem Fall, keine Gewinnabsicht beinhaltet sondern lediglich eine Verlustabsicherung.

(Das dies trotzdem moralisch mehr als fragwürdig ist auch wenn ein noch viel fragwürdigeres Finanzsystem dahinter steht, mag ich an dieser Stelle übrigens nicht diskutieren. Da sind die meisten von uns sich vermutlich einig.)


@Glück gehabt: ich auch. Aber da meine real-life Tätigkeiten sonst schon 24/7 ausfüllend sind (weil Herzblut drin steckt), will und brauche ich persönlich die Kopfpause auf der Fusion auch mal. Weil: "Leisure is the mother of philosophy" :P

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Re: Was machst du so?

Beitrag von fugu » Mo 7. Jul 2014, 18:13

freq hat geschrieben:

Das steht da ja auch nicht...da steht, das die U-Site Party in einem Vorort von Hamburg war ;)
Dacht ich mir schon. 8-)

Rainer
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Re: Was machst du so?

Beitrag von Rainer » Mo 7. Jul 2014, 19:15

Zweitaccount hat geschrieben: Ja, eh, du hast da was nicht verstanden....
->Sorry, aber ich werde jetzt nicht meine Zeit opfern, um auf solch einen Kommentar in angemessener Weise zu antworten. Meiner Ansicht nach führst du deine eigene “Logik” mit deiner Argumentation selbst ad absurdum.
Ich will dich ja nicht “aufklären”, aber meiner Auffassung nach handle ich nach dem kategorischen Imperativ. Schon klar, dass gleich ein Shitstorm über mich hereinbrechen wird...

Da du mich ja jetzt danach fragst (Sorry, aber “time is money”, daher einfach mal ne Passage aus einem meiner “Motivationsschreiben”):
Already at the beginning of my Bachelor's studies in Economics I discovered my passion for econometrics and economic statistics, which led me to an employment as a student research assistant and tutor for probability theory, inferential and descriptive statistics at the University of ______. Due to my enthusiasm for financial markets and the excellent reputation of the University of ______ I decided to enroll in the Master's Programme Quantitative Finance, where the Doctoral Programme ______ immediately sparked my interest. ...


mangosaft2 hat geschrieben:"
- in Anbetracht dessen, dass sie gar keinen klassischen Gewinn (im Sinne des Kapitalmarktes) erwirtschaften dürfen und können...
Weiterverkaufen von Devisen wäre ja nicht drin gewesen.

Die Währungsabsicherung ist nun ja - genau dies. Eine Absicherung die schief oder gut gehen kann. Aber in diesem Fall, keine Gewinnabsicht beinhaltet sondern lediglich eine Verlustabsicherung.

->Du hast meine Frage zwar nicht beantwortet, aber ich muss dir leider sagen, dass du Unrecht hast. Ich werde dir jetzt sicherlich keine technischen Aspekte von Finanzmarkttransaktionen, Bilanzen etc. erörtern, denn du würdest es ohnehin nicht verstehen. Das ist auch nicht böse gemeint, aber mach dir einfach mal bewusst, dass dies die Inhalte eines anspruchsvollen Masterstudiums sind, die du ohne Vorwissen einfach nicht begreifen wirst. Es würde ohnehin zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Das eine “Währungsabsicherung gut oder schief gehen kann” stimmt so überhaupt nicht. Lass dir einfach mal gesagt sein, dass es gute Gründe für den Handel mit Finanzderivaten gibt.

freq
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Re: Was machst du so?

Beitrag von freq » Mo 7. Jul 2014, 19:18

Rainer hat geschrieben:Hinderte mich trotzdem nicht daran auch weiterhin vermeintliche "Systemkritiker" anzuquatschen!

Aber die Größen/Machtverhältnisse sind Dir dabei bestimmt bewusst :roll:

Klar ist es einfach und auch sehr gnädig, das Du Dich auf die paar Systemkritiker einlässt...denn die können in Deinen Augen ja eh nix ändern...gelle?

mangosaft2
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Re: Was machst du so?

Beitrag von mangosaft2 » Di 8. Jul 2014, 00:26

"Lass dir einfach mal gesagt sein, dass es gute Gründe für den Handel mit Finanzderivaten gibt."

Ich bedanke mich recht herzlich für die Vorwegnahme meines (Un-)Verständnisses und das lesen-wollen-wie-es-gerade-in-die-selbstdarstellung-passt.

Weil: da wäre ich sonst gar nicht drauf gekommen, dass es vielleicht gute Gründe dafür gibt (die ich ja aber auch, wie schon geschrieben, fragwürdig finde, weil sie durch ein bestimmtes System überhaupt erst nötig werden...)

Verständnisvolle Grüße
M.A. mangosaft

Rainer
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Re: Was machst du so?

Beitrag von Rainer » Di 8. Jul 2014, 00:59

mangosaft2 hat geschrieben:"
...(Das dies trotzdem moralisch mehr als fragwürdig ist auch wenn ein noch viel fragwürdigeres Finanzsystem dahinter steht, mag ich an dieser Stelle übrigens nicht diskutieren. Da sind die meisten von uns sich vermutlich einig.)...
->Da habe ich dich wohl irgendwie missverstanden...

Edit: Ich muss mich entschuldigen. Habe mich gerade versucht in deine Position zu versetzen und musste leider feststellen, dass man meine Kommentare wohl auch als sehr "herablassend/arrogant" interpretieren könnte, wenn man mich denn als den bösen Banker sehen möchte... Würden wir die Rollen tauschen, hätte ich mich höchstwahrscheinlich auch angegriffen gefühlt :oops:
Das war nicht meine Absicht! Ich weiß ja leider auch nicht, welches Vorwissen du besitzt. Ich wollte eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass es nicht schwierig ist, sich gegen Wechselkursrisiken abzusichern. Dass dies "gut oder schief gehen kann", stimmt bloß so nicht. Das ist für Banken "daily business". Das Problem bei GP ist ja eher, dass sie zu einem bst. Zeitpunkt noch nicht genau wissen, in welchem Land (in welcher Währung) und welcher Höhe sie zukünftige, unsichere Projekte finanzieren möchten.

Es ist beim geschriebenen (und natürlich beim gesprochenem), leider sehr oft, ein Problem der Kommunikation!
-> Vier-Seiten-Modell (von Thun)
Zuletzt geändert von Rainer am Di 8. Jul 2014, 10:27, insgesamt 1-mal geändert.

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