Fusion mit einer Elfe

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Velcro
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Fusion mit einer Elfe

Beitrag von Velcro » Fr 5. Jul 2013, 00:02

Fusion mit einer Elfe

Diese kleine, vielleicht anrüchige, aber auf jeden Fall geisterhafte Geschichte trug sich letzte Woche im Mecklenburger Hinterland auf einem bunten, ein wenig verrücktem Festival zu, welches jedes Jahr nach der Sommersonnenwende auf einem alten, aus kriegstagen verwunschenem Militärflugplatz stattfindet.

Das gesamte Gelände wird von einem breiten Weg durchzogen, nennen wir ihn die Promenade - eigentlich ist es das alte Rollfeld, von dem aus in alten Tagen von metallenen Donnervögeln Angst und Schrecken in die Welt getragen wurde. Dieser Weg führt an fast allen Bühnen vorbei, auf denen allerlei Folk seine Künste darbietet und mit den Elementen Schall und Licht spielt. Diese Bühnen - ehemalige Flugzeughangars, welche den Schreckgespensten des kalten Krieges Obdach boten - gleichen riesigen Hobbithöhlen, sind nur nach vorn offen und über und über bewuchert. Manche dieser Hangars wurden vorn verschlossen und sind nun auch am Tage in ihrem Innnern Orte der Ruhe und Dunkelheit; was eine Seltenheit ist an einem Ort, der von über 50.000 tanz- und feierwütigen Menschen heimgesucht wird.

Aus einem dieser Hangars tauchte ich nach einer ausgiebigen Ruhepause wieder ein in das Meer aus Farben und Klängen, als ich eine sonderbare Prozession auf der Promenade bemerkte. Zunächst machte sie einen etwas sakralen, andächtigen Eindruck, da sich alle und alles sehr langsam fortbewegte. Doch je näher ich dem Spektakel kam, desto mehr wurde ich mir der Absurdität des ganzen Schauspiels bewusst:

Da liefen zusammen in einer Gruppe Wesen von anmutigster Schönheit Seite an Seite mit den groteskesten Ungetümern, die ich jeh gesehen habe. Elfen Hand in Hand mit ziegenbeinigen Dämonen, schillernde Schmetterlinge umflatterten gedrungene Kobolde.

Noch bevor mir langsam klar wurde, dass es das Schöne nicht ohne das Hässliche, das Gute nicht ohne das Böse geben kann, fiel mir eine der langbeinigen Elfen auf. Sie war diejenige, die sich mit der größten Anmut in schwindelerregender Höhe bewegte und dabei noch mit einer Leichtigkeit Feuerbälle schwang, als wären es ihre eigenen Hände. Ihr Gesicht war stark geschminkt, aber ich konnte erkennen, dass sie ein Mädchen von außergewöhnlicher Schönheit sein musste: Volle, aber dennoch gedrungene Lippen, leuchtende, aber tiefbraune Augen und eine kleine, aber dominante Nase, umrahmt von unechtem, aber leuchtendem weißblondem Haar.

Auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck völliger Zufriedenheit und inniger Entspannung, aber auch etwas Anderes, das ich nicht recht einzuordnen wusste. Ich wusste nur Eines: Sie weckte in mir die größte Begier, die ich je gefühlt hatte!

Ich verlor mich in ihren hypnotischen Bewegungen, den schillernden Farben ihres bodenlangen Gewandes und den Schweifen des Feuers, die sie wie eine Aura umgaben. Wie in Trance wurde ich von ihr angezogen, ergab ich mich irgendwelchen Rhytmen, die uns alle umgaben und folgte ihr in der Prozession. Eine körperliche Wärme umfing mich und eine Klarheit stellte sich ein, wie ich sie zuvor nur in Momenten des absoluten Glückes erlebt hatte. Ich weiß nicht mehr, wie lang ich ihr bereits gefolgt war, als ich plötzlich stolperte, zu Boden fiel und meine Augen aufriss!

Ich war geschockt, hatte ich die Elfe in einem Moment der Unachtsamkeit zu Fall gebracht?! Und schaute um mich und sah zu ihr auf, sie war anmutiger als je zuvor. Es war ihr nichts geschehen... Die Panik verkroch sich langsam. Selbst der höhnisch lachende und mich verspottende Teufel hinter mir konnte dies Gefühl der Erleichteung nicht schmälern. Nie hätte ich es mir verziehen, dieses Geschöpf der Anmut und Schönheit aus schwindelnder Höhe stürzen zu lassen.

Doch was war das, was ich im Augenwinkel unter ihrem weiten Rock verschwinden sah und nur als schwammige Bewegung wahrnahm? Hatte dieser Schatten mich stolpern lassen? Ich näherte mich vorsichig von hinten an den bauschigen Rock der Elfe an. Ich war nicht sicher, ob sie das gutheißen würde und schaute in meiner Unsicherheit zu ihr auf. Sie musste das gespürt haben und warf mir über ihre Schulter einen ermutigenden, auch ein wenig verschmitzten Blick zu und nickte leicht.

Ich blickte mich um, und obwohl ich sofort bemerkte, von Koboldfratzen, Zwergengesichtern unf Teufelsvisagen beobachtet zu werden, versuchte ich unbemerkt unter den Rock und zwischen ihre Beine zu gelangen. Kaum hatte ich den Rockzipfel etwa so hoch gelupft, dass ich gebückt darunter her gepasst hätte, versetzte mir etwas einen Schlag vor den Kopf und fiel hinten über auf den Rücken.

Natürlich! Die Elfe musste auf Stelzen laufen! Ihr Oberkörper, ihre festen, kleinen Brüste, ihr Kopf und die Arme, alles hatte die Proportionen eines normalen Menschen, nur dass ihre Hüfte erst über der Höhe meines Kopfes begann. Ich rappelte mich unter dem Gelächter der Prozessionsteilnehmer auf und wagte einen neuen Versuch. Ich bemerkte dabei auch das leicht amüsierte Grinsen auf dem Antlitz meiner Elfe, wollte mir aber nichts anmerken lassen und mit Tatendrang von meiner Unsicherheit ablenken.

Also nahm ich Schwung, sodass selbst ein herber Schlag mich nicht mehr hätte aufhalten können und riss den farbigen Rock hoch. Ich tat dies jedoch mit dem mir üblichen Geschick so schnell, dass niemand aus der absurden Prozession auch nur den kürzesten Blick unter das Gewand meiner unantastbaren Elfe hätte werfen können. Zu meiner Überraschung traf mich erneut ein Schlag, aber diesmal nicht am Kopf, sondern an der Hüfte. Entsetzt blickte ich mich in meiner neuen Umgebung, dem zeltartigen, fast mannshohen Rock der Elfe um - schließlich dachte ich, eine ihrer Stelzen getroffen zu haben. Doch ihre Bewegeungen waren so gleichförmig wie eh und jeh, und mein Gang schmiegte sich perfekt zwischen die langsamen, ausladenden Bewegungen ihrer kunstvoll verzierten Hozlstelzen. Das Raunen der anderen Wesen rings um uns herum wurde nun von lautem, ohrenbetäubendem Zetern und Toben überschallt. Ich blickte nach unten und sah ein kleines, barfüßiges Wesen, das fast über und über mit Haaren oder Fell bedeckt war. Es erinnerte mich etwas an einen Wookie, nur eben viel kleiner. Das konnte ich mir nicht erklären - warum es mich mit Fausthieben bearbeitete, verstand ich hingegen schon: Ich war im Begriff, es vom wohl elektrisierendsten Platz der Erde zu verscheuchen. Das aber fiel mir leicht, ein Fußtritt genügte, und das Wesen kullerte unter dem Rocksaum heraus. Das fremdartige Gejammer außerhalb meines durch den Rock aufgespannten Farbenpalastes nahm ein jähes Ende, als ein tiefes Knurren und das metallische Geräusch einer Sense zu hören war.

Ich nahm das nur noch am Rande wahr. Mein Blick wanderte an den Ornamenten auf ihren Stelzen nach oben, die jahrhundertelange Geschichten zu erzählen schienen. Ich sah ihre Füße, die mit goldenen Lederriemen in einer sandalenartigen Aussparung am Ende der Stelzen festgeschnallt waren. Ich sah ihre schlanken Unterschenkel, die in ihre kräftigen Knie mündeten. Ich sah ihre starken, muskulösen Oberschenkel, und ich sah - Dunkelheit. Warum nur konnte ich weiter oben nichts sehen? Wollte sie mir ihre Scham vorenthalten? War ich dazu verdammt, wie der haarige Gnom den Rest meiner Tage in diesem farbigen, wohligwarmen Gefängnis auszuharren und alle Eindringlinge abzuwehren?! Nein, das durfte nicht sein, denn ich wusste nicht, wie ich jemals die Kraft aufbringen sollte, diesen anziehenden Ort hier zu verlassen.

Noch während ich über meine Zukunft zwischen den Stelzen meiner Elfe nachdachte, bemerkte ich die Berührung meiner Fingerspitzen und ihrer Knochel. Ich war nicht sicher, ob ich oder sie es war, die leicht aus dem Takt unserer Tritte geraten war, doch wir waren gleich darauf wieder gleichauf. Die Berührung war so intensiv, dass es nahezu schmerzhaft meinen ganzen Arm hochkrampfte. Ich musste zusehen, nicht ihren Knochel zu packen, sondern mit aller Kraft meine Hand offen halten. Es gelang mir, mit einer streichelden Gewegung an ihrer Wade hochzugleiten und zart ihre Kniekehle zu kitzeln. Wieder grieten wir aus dem Schritt, diesmal ging es eindeutig von ihr aus. Es gelang uns diesmal aber nicht, uns wieder in den Rhytmus des vorherigen Tritts einzureihen, vielmehr stolperten wir vor uns hin. Ich nahm darauf keine Rücksicht, konnte es nicht, sah ich doch, dass die Dunkelheit zwischen ihren Schenkeln Millimeter um Millimeter wich, je weiter meine nun entspannte Hand und meine prickelnden Finger an ihren Beinen hochglitten. Ich spürte, dass sich die Richtung unseres Laufes änderte, ohne zu wissen, warum oder wohin. Meine Gedanken kreisten nur noch um das kleine, aber noch immer dunkle Gebiet zwischen ihren Beinen.

Ich konnte nichts spüren, egal wie nah ich mit meinen Händen versuchte, näher zu kommen, sie waren schlichtweg taub. Ich merkte zwar etwas wie Kälte oder Nässe, aber das war eher eine Idee als ein Gefühl. Ich aber wollte die Empfindung, und dem Geruch nach zu urteilen, der jetzt immer intensiver wurde, wollte meine Elfe es auch. Ich näherte mich also mit meinen Geschicht ihrer Scham, glitt mit meiner Zunge an ihrem Innenschenkel hoch und konnte es schmecken: Wärme!

Alle Gleichförmigkeit und jede Richtung einer Bewegung verschwand. Ich befand mich in der zuckenden Röhre ihres Kleides und zwischen den zappelnden Schenkeln ihrer Beine, weit hinter mir das hölzerne Geräusch ihrer sagenhaften Stelzen. Ich sah nur noch Farben, Geräusche konnte ich nur noch fühlen, die gleißende Helligkeit mitten in der Nach irritierte mich, beschäftigte mich aber nicht weiter. Zeit war nur noch ein Wort.


Ich wachte auf in einem leeren, dunklen Flugzeughangar, in der Mitte des Nirgendo der Meckelnburger Seenplatte und konnte mich nicht daran erinnern, wie ich hier hin kam oder was geschen war. Nur der Geschmack nach Wärme tief in meinem Kopf sagte mir, dass es kein Traum war...

Spanky Ham
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Re: Fusion mit einer Elfe

Beitrag von Spanky Ham » Fr 5. Jul 2013, 00:29

dieser Text - ein Genuß!!!

HakunaMatata
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Re: Fusion mit einer Elfe

Beitrag von HakunaMatata » Fr 5. Jul 2013, 13:07

Wow!

Wuk
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Re: Fusion mit einer Elfe

Beitrag von Wuk » Fr 5. Jul 2013, 15:18

Schöner Text!

Kleine Anmerkung: "Die Promenade" wie Du sie beschreibst, ist der Weg zwischen den Hangars und war nie ein Rollfeld.
Das Rollfeld ist die breite, lange Betonpiste beim Eingang / Busbahnhof und den vielen Autoparkplätzen.

DieEnteMedusa
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Re: Fusion mit einer Elfe

Beitrag von DieEnteMedusa » Fr 5. Jul 2013, 15:19

@ wuk

Verwechselst Du gerade Rollfeld und Landebahn?
"Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt." [Mark Twain]

Wuk
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Re: Fusion mit einer Elfe

Beitrag von Wuk » Fr 5. Jul 2013, 16:07

Nee, die Landebahn ist auf der Fusion-Wegkarte als solche eingezeichnet.
Das Rollfeld oder auch Startbahn ist die viel längere Piste.
Ich vermute aber, dass es für die Elfen eh egal ist, wo die starten und landen können.

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Re: Fusion mit einer Elfe

Beitrag von DieEnteMedusa » Fr 5. Jul 2013, 17:26

"Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt." [Mark Twain]

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